Die Missionssammlung Hermannsburg
als kulturelles Erbe in NiedersachsenDie Missionssammlung des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Hermannsburg umfasst etwa 2.500 ethnologische und missionsgeschichtliche Objekte, die von den 1850er Jahren bis in die jüngste Vergangenheit hinein im Kontext missionarischer Tätigkeiten zusammengetragen wurden.
Die Sammlungsbestände stammen dabei in erster Linie aus den ehemaligen und aktuellen Einsatzgebieten der weltweit tätigen und zeitweise zu den größten Missionsgesellschaften Deutschlands zählenden Hermannsburger Mission. Dazu zählen bereits seit dem 19. Jahrhundert erschlossene Gebiete in Südafrika, Botswana, Indien, Australien, Iran und Brasilien sowie erst im 20. Jahrhundert dazukommende Missionsgebiete in Äthiopien, Indonesien, Peru, Tansania und Zentralafrika. Der überwiegende Teil der Altbestände der Hermannsburger Missionssammlung kommt aus Südafrika, Botswana und Indien.
Die Sammlung umfasst neben einigen wenigen spirituellen Objekten vor allem zahlreiche Gegenstände des alltäglichen Lebens und Erinnerungsstücke sowie Kunsthandwerk und Souvenirs. Darin zeigt sich weniger eine gezielte Sammlungsstrategie als vielmehr eine unbestimmte, vor allen den individuellen Interessen der Missionsmitarbeiter geschuldete Sammelpraxis.
Die Sammlung wurde in einem im damaligen Missionshaus eingerichteten Naturalienkabinett und einer angegliederten ethnologischen Ausstellung gezeigt. Somit diente sie bereits seit den 1850er Jahren einerseits als Anschauungsmaterial für die ausreisenden Missionare und deren Familien sowie als Mittel zur Missionarsbildung und zur Werbung für die missionarische Tätigkeit an sich, und andererseits als exotistische Attraktion in der ländlich geprägten Heideregion.
Das Projekt erforscht diese ländlichen, niedersächsischen Sammelpraktiken sowie die Provenienzen der Sammlung. Die Missionssammlung soll im Anschluss in das Landesmuseum Hannover überführt werden.
Teile der Sammlung wurden schon von 2018-2022 im Rahmen des PAESE-Teilprojektes »Provenienzen von Tjurunga im Landemuseum Hannover und in der Sammlung Hermannsburg« untersucht. Der in Kooperation mit dem Australian Institute for Aboriginal and Torres Strait Islander Studies [AIATSIS] und dem Central Land Council [CLC] beforschte Teilbestand hochgradig bedeutender spiritueller Objekte der zentralaustralischen Bevölkerungsgruppe der Arrernte ist zur Rückgabe an das Strehlow Research Centre [SRC] vorgesehen.