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Forschungsprojekte

Die Missionssammlung Hermannsburg

als kulturelles Erbe in Niedersachsen mehr
Forschungsprojekte

Die Missionssammlung Hermannsburg

als kulturelles Erbe in Niedersachsen

Die Missionssammlung des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Hermannsburg umfasst etwa 2.500 ethnologische und missionsgeschichtliche Objekte, die von den 1850er Jahren bis in die jüngste Vergangenheit hinein im Kontext missionarischer Tätigkeiten zusammengetragen wurden.

Die Sammlungsbestände stammen dabei in erster Linie aus den ehemaligen und aktuellen Einsatzgebieten der weltweit tätigen und zeitweise zu den größten Missionsgesellschaften Deutschlands zählenden Hermannsburger Mission. Dazu zählen bereits seit dem 19. Jahrhundert erschlossene Gebiete in Südafrika, Botswana, Indien, Australien, Iran und Brasilien sowie erst im 20. Jahrhundert dazukommende Missionsgebiete in Äthiopien, Indonesien, Peru, Tansania und Zentralafrika. Der überwiegende Teil der Altbestände der Hermannsburger Missionssammlung kommt aus Südafrika, Botswana und Indien.

Die Sammlung umfasst neben einigen wenigen spirituellen Objekten vor allem zahlreiche Gegenstände des alltäglichen Lebens und Erinnerungsstücke sowie Kunsthandwerk und Souvenirs. Darin zeigt sich weniger eine gezielte Sammlungsstrategie als vielmehr eine unbestimmte, vor allen den individuellen Interessen der Missionsmitarbeiter geschuldete Sammelpraxis.

Die Sammlung wurde in einem im damaligen Missionshaus eingerichteten Naturalienkabinett und einer angegliederten ethnologischen Ausstellung gezeigt. Somit diente sie bereits seit den 1850er Jahren einerseits als Anschauungsmaterial für die ausreisenden Missionare und deren Familien sowie als Mittel zur Missionarsbildung und zur Werbung für die missionarische Tätigkeit an sich, und andererseits als exotistische Attraktion in der ländlich geprägten Heideregion.

Das Projekt erforscht diese ländlichen, niedersächsischen Sammelpraktiken sowie die Provenienzen der Sammlung. Die Missionssammlung soll im Anschluss in das Landesmuseum Hannover überführt werden.

Teile der Sammlung wurden schon von 2018-2022 im Rahmen des PAESE-Teilprojektes »Provenienzen von Tjurunga im Landemuseum Hannover und in der Sammlung Hermannsburg« untersucht. Der in Kooperation mit dem Australian Institute for Aboriginal and Torres Strait Islander Studies [AIATSIS] und dem Central Land Council [CLC] beforschte Teilbestand hochgradig bedeutender spiritueller Objekte der zentralaustralischen Bevölkerungsgruppe der Arrernte ist zur Rückgabe an das Strehlow Research Centre [SRC] vorgesehen.

Das Foto zeigt eine Gruppe von circa 20 Personen vorwiegend schwarzer Hautfarbe, die vor einem Gebäude auf einer Treppe stehen und in die Kamera lächeln.
Forschungsprojekte

ethnografische und anthropologische kriegsbeute aus militärischen expeditionen in deutsch-ostafrika

als sammlungsgut für deutsche museen mehr
Forschungsprojekte

ethnografische und anthropologische kriegsbeute aus militärischen expeditionen in deutsch-ostafrika

als sammlungsgut für deutsche museen

Das Landesmuseum Hannover fördert Forschung zu den Sammlungen des Hauses und verpflichtet sich dazu, ein größtmögliches Maß an Transparenz im Umgang mit der Geschichte und dem Inhalt der Sammlungen zu gewährleisten. Daher gehört es zu den Aufgaben des Landesmuseums Hannover, externe Forschungsprojekte als Kooperationspartnerin zu unterstützen und Zugang zu den Sammlungen und Archiven des Hauses zu gewährleisten. In diesem Sinne beteiligte sich das Landesmuseum Hannover am Forschungsprojekt »Ethnografische und anthropologische Kriegsbeute aus militärischen Expeditionen in Deutsch-Ostafrika als Sammlungsgut für deutsche Museen«, geleitet von Prof. Dr. Brigitte Reinwald und durchgeführt von Eva Künkler M.A. (beide Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover) in Zusammenarbeit mit Flower Manase (National Museum of Tanzania) und finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.

Die ethnologische Sammlung des Landesmuseum Hannover beherbergt eine kleine Sammlung von kulturellen Gegenständen der Wanyaturu aus der Region Singida in Zentraltansania. Diese waren Teil einer sehr viel größeren Ansammlung von ca. 170 Kulturgütern der Wanyaturu, die durch Gideon von Grawert 1899 aus dem damaligen Deutsch-Ostafrika an das Königliches Museum für Völkerkunde Berlin, heute Ethnologisches Museum Berlin, verbracht wurden. Von dort aus wurden sechs Objekte 1902 nach Hannover abgegeben.

Gideon von Grawert war Stationschef der Militärstation in Kilimatinde, von wo aus er zwischen 1897 und 1899 mehrere Militärzüge gegen die Bewohner*innen der Region Singida anführte. In der Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi) fanden zwischen 1885 und 1918 weit über 200 Militäraktionen gegen lokale Bevölkerungen statt. Plünderungen stellten einen systematischen Bestandteil dieser kolonialen Militäreinsätze dar.

Im Rahmen des Forschungsprojekts »Ethnografische und anthropologische Kriegsbeute aus militärischen Expeditionen in Deutsch-Ostafrika als Sammlungsgut für deutsche Museen« wurde ethnografische und anthropologische Kriegsbeute aus Deutsch-Ostafrika als strukturelles Phänomen kolonialmilitärischer Handlungen und Sammlungsgut für deutsche ethnologische Museen untersucht. Das Projekt beinhaltete eine historiografische Grundlagen- und Kontextforschung zu militärisch bedingten Plünderungen sowie qualitative Forschung in der Region Singida. In Gesprächen mit den heutigen Wanyaturu der Region gingen die Projektmitarbeiterinnen Eva Künkler und Flower Manase der Frage nach, wie die Anwesenheit der Deutschen Militärmacht in der Region erinnert wird und welche Bedeutung Angehörige der Wanyaturu den in der Kolonialzeit geplünderten Kulturgütern heute zuschreiben.

Auf Einladung des Projekts reiste die Kuratorin der ethnologischen Sammlung Mareike Späth für das Landesmuseum Hannover im März 2026 nach Singida und nahm dort an der Abschlusskonferenz des Forschungsprojekts teil, um gemeinsam mit deutschen und tansanischen Wissenschaftler*innen, Vertreter*innen der Wanyaturu und des tansanischen Staates über die Projektergebnisse und die Bedeutung der Besitztümer der Wanyaturu zu diskutieren.

 

Lesen Sie hier den Abschlussbericht des Projekts in Deutscher oder Englischer Sprache

 

Restaurierungs- und Forschungsprojekte

kolonialzeitliche sammlungen aus indonesien in niedersachsen

eine deutsch-niederländisch-indonesische verflechtungsgeschichte mehr
Restaurierungs- und Forschungsprojekte

kolonialzeitliche sammlungen aus indonesien in niedersachsen

eine deutsch-niederländisch-indonesische verflechtungsgeschichte

Koordiniert vom Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e.V. (MVNB) und gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gehört das Projekt zu den ersten systematischen Untersuchungen indonesischer Sammlungen in Niedersachsen.

Untersucht werden Bestände, die zwischen 1830 und 1930 erworben wurden und über 1.400 Sub- und Objekte umfassen. Darunter befinden sich menschliche Überreste, geheim-sakrale Objekte, rituelle Gegenstände, Textilien, Manuskripte und naturkundliche Präparate, die heute in den musealen und universitären Beständen in Hannover, Hildesheim, Göttingen, Oldenburg, Emden und Braunschweig verwahrt werden. Ihr Erwerb erfolgte innerhalb kolonialer Kontexte über komplexe Netzwerke des Austauschs zwischen Indonesien, den Niederlanden und Deutschland.

Im Landesmuseum Hannover befinden sich etwa 1.500 Objekte aus dem heutigen Indonesien. Die Zeitspanne des Erwerbs reicht von den 1850er-Jahren, etwa frühe Bestände aus den ehemaligen Sammlungen des hannoverschen Königshauses bis zu rezenten Zugängen und Ankäufen. Besonders umfangreich sind die Bestände des Pflanzers Thedel Eduard Georg August Arthur Stalmann (1857-1911) aus Hannover, dessen Sammlung im Rahmen des Verbundprojekts näher untersucht wird.

In der ersten Projektphase wurden die Biografien von insgesamt 51 »Sammlern« rekonstruiert, die eine vielfältige Gruppe von Akteuren, darunter Wissenschaftler, Ärzte, Missionare, Kaufleute und Kolonialbeamte, offenbaren, deren Tätigkeiten sich über den gesamten indonesischen Archipel erstreckten. Die Ergebnisse zeigen, wie menschliche Überreste und Objekte rituellen oder wissenschaftlichen Wissens aus ihren ursprünglichen Kontexten gelöst, unter europäische Klassifikationen gestellt und innerhalb imperialer Systeme von Wissen und Prestige zirkuliert wurden. Sie verdeutlichen, wie koloniale Hierarchien epistemische Autorität und Sammlungspraxis formten.

Das Projekt arbeitet mit Partner:innen in Indonesien und den Niederlanden zusammen, um diese Asymmetrien aufzudecken, gemeinsame Ansätze im Umgang mit den Beständen zu entwickeln und zu einem transparenten und dekolonialen Verständnis des indonesischen Erbes in den musealen und universitären Sammlungen in Niedersachsen beizutragen.

 

Forschungsprojekte

koloniale sammlungen

aus dem heutigen tansania mehr
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koloniale sammlungen

aus dem heutigen tansania

Die ethnologische Sammlung beherbergt verhältnismäßig viele kulturelle Gegenstände vom Afrikanischen Kontinent. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Objekten aus den ehemals von Deutschland kolonial besetzten Gebieten, insbesondere dem heutigen Tansania. Diesem Sammlungsschwerpunkt widmet das Landesmuseum Hannover, auch wegen der besonderen historischen Verantwortung, die daraus erwächst, besonderes Forschungsinteresse.

In der Vergangenheit wurden im Rahmen des PAESE Projekts, in Kooperation mit der Professur für Geschichte Afrikas am Historischen Seminar des Leibnitz Universität Hannover und mit dem Tansanischen Nationalmuseum in Dar es Salaam verschiedene Forschungsvorhaben verfolgt.

Seit 2022 vertieft das Landesmuseum diesen Forschungsschwerpunkt im Projekt »Erinnerungslücken schließen – Symbole antikolonialen Widerstands in Iringa, Tansania« in Kooperation mit fahari yetu Tanzania und dem Iringa Boma – Regional Museum and Cultural Centre in Iringa, Tansania. Die tansanische NGO fahari yetu Tanzania forscht seit 2013 zur Kolonialgeschichte in Tansania und unterhält eine Ausstellung zu Geschichte und Kultur der Region.

Iringa – im südlichen Hochland Tansanias gelegen – ist bekannt für die Geschichte des Widerstandes gegen die deutsche koloniale Besetzung. Von 1891-98 leistete die Armee der Hehe-Nation Widerstand gegen die in das Gebiet eindringenden militärischen Einheiten des deutschen Kaiserreiches. Das Landesmuseum Hannover beherbergt in den ethnologischen Sammlungen zahlreiche Waffen und kulturelle Besitztümer der Wahehe, die im Zusammenhang mit diesen Kriegen aus der Region Iringa nach Hannover verbracht wurden.

Seit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung im Jahr 2022 wird die Forschung durch gegenseitige Gastbesuche der beteiligten Wissenschaftler*innen, (Provenienz-)Forschung in und zu den Sammlungen und Archiven beider Museen und in der Region Iringa sowie in gemeinsamen Vorträgen, Publikationen und öffentlichen Veranstaltungen ausgestaltet.

Als vorläufiges Ergebnis der gemeinsamen Forschungen wurde ein Rückgabegesuch betreffs einiger im Zusammenhang mit den Hehe-Kriegen gewaltvoll verbrachten Kriegstrophäen gestellt. Diese und andere unrechtmäßig verbrachten Objekte wurden vom Landesmuseum Hannover, dabei unterstützt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Republik Tansania zur möglichen Rückgabe angeboten. Eines der Ziele der weiteren Zusammenarbeit mit den Projektpartnern in Iringa ist es, die historischen Waffen und kulturellen Gegenstände dem Publikum in Iringa in einer Ausstellung zu zeigen.

Restaurierungs- und Forschungsprojekte

restaurierung der göttinger »zehngebotetafel«

meister des göttinger jacobikirchenaltares, um 1390 mehr
Restaurierungs- und Forschungsprojekte

restaurierung der göttinger »zehngebotetafel«

meister des göttinger jacobikirchenaltares, um 1390

Bei dem Gemälde handelt es sich um ein auf Eichenholz gemaltes Tafelbild, dessen hoher Rang für die Kunstgeschichte im nördlichen Deutschland seit langem bekannt ist; aufgrund seines prekären Zustandes hat es in der Galerie aber nie die Aufmerksamkeit gefunden, die ihm gebührt. Vielfach publiziert ist das Werk als frühste Verbildlichung der Zehn Gebote im Medium des Tafelbildes, die heute fehlenden Gebote waren ursprünglich auf den klappbaren Flügeln des Werkes gezeigt. Im Zuge der Vorbereitungen für die neuen Kunstwelten konnte die in Göttingen geschaffene Tafel aufwendig restauriert werden.

Forschungsprojekte

tel tsaf

katerstimmung und komplexe gesellschaften mehr
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tel tsaf

katerstimmung und komplexe gesellschaften

Wie wurden manche Menschen arm und wie wurden manche reich? Die meisten Forscher*innen sehen einen wichtigen Entwicklungsschritt bei dem Übergang vom Neolithikum zum Chalkolithikum in Vorderasien. Während für das Neolithikum noch eine weitestgehend egalitäre Gesellschaft angenommen wird, lassen sich im darauf folgenden Chalkolihikum die ersten komplexen Gesellschaften, wie Häuptlingstümer, nachweisen. Diese bilden dann auch die Grundlage für die ersten Staaten.

Die am mittleren Jordan, unweit des See Genezareth, gelegene Zentralsiedlung Tel Tsaf in Israel wird seit 2012 von israelischen und deutschen Forscher*innen ausgegraben. Dabei untersucht das Team erforscht einen sehr frühen Abschnitt dieser Entwicklung zwischen 5200 und 4600 v. Chr.

Im Zentrum des Interesses steht eine Silokonzentration in der große Mengen an Getreide gespeichert werden konnten. Weit mehr als die Menschen in den benachbarten Häusern je hätten essen können. Handelt es sich dabei um die Monopolisierung von Lebensmitteln durch eine Familiengruppe, die damit ihre Herrschaft begründete? Oder warum wurden hier Lebensmittel eines ganzen Dorfes gesammelt und verwahrt?

Die exzellenten Erhaltungsbedingungen lassen die Forschenden in Tel Tsaf darüber hinaus eine ganze Reihe von Entdeckungen machen, die offenbar mit der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung zusammenhängen, z.B. das Aufkommen komplexer Speisen und Getränke, in Tel Tsaf gelang der bisher älteste Nachweis für die Konsumtion alkoholischer Getränke, oder Handelsnetzwerke, die bis nach Äthiopien reichen.

Restaurierungs- und Forschungsprojekte

untersuchung von sechs tafeln

des sieneser malers taddeo die bartolo mehr
Restaurierungs- und Forschungsprojekte

untersuchung von sechs tafeln

des sieneser malers taddeo die bartolo

Das Landesmuseum Hannover bewahrt sechs Tafeln mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen Franziskus. Die heute in einzelne Bildfelder zersägten, auf Pappelholz gemalten Szenen gehörten ursprünglich zu einem großen Altaraufsatz in der Franziskanerkirche zu Perugia. Als das Ensemble aufgelöst wurde, gelangten die einzelnen Felder nach und nach in den Kunsthandel. Neben den sechs Tafeln in Hannover befinden sich Bestandteile des einstigen Retabels heute in verschiedenen Sammlungen in Perugia, den Vereinigten Staaten und in Privatbesitz in Holland. Durch die Zusammenarbeit mit den Ausstellungsmachern in Perugia konnten über die genaue Untersuchung der verschiedenen Bestandteile wesentliche Erkenntnisse zur einstigen Zusammensetzung des Retabels gewonnen werden. Mit Unterstützung des Vereins Freunde der Landesgalerie Hannover werden die Gemälde seit 2022 einer schonenden Restaurierung unterzogen.

Restaurierungs- und Forschungsprojekte

restaurierung zweier mittelalterlicher altarflügel

kindheit und passion christi, um 1390 mehr
Restaurierungs- und Forschungsprojekte

restaurierung zweier mittelalterlicher altarflügel

kindheit und passion christi, um 1390

Die beiden mittelalterlichen Tafeln werden einer umfangreichen Restaurierungsmaßnahme unterzogen: Sie umfasst die Konservierung gelockerter Malschichten, die Abnahme zahlreicher alter, stark nachgedunkelter Überzüge, Schmutzschichten und farblich veränderter Übermalungen sowie im Anschluss daran die strukturelle und farbliche Integration der alten Fehlstellen. Um das Bewegungsverhalten der auf Eichenholz ausgeführten Malerei zu beobachten, wurde eine auf die Objekte abgestimmte Rückseitenmaßnahme entwickelt. Mittels fotogrammetischer Aufnahmen der Makrofotografie wurde das spezifische Wölbungsverhalten messbar gemacht. Zur Schadensanalyse wurden im Vorfeld verschiedene Untersuchungen vorgenommen: Von allen Bildfeldern wurden Röntgen- und Infrarotbilder angefertigt. Die mikrochemische Analytik dient der Materialbestimmung.

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der friedhof von tuna el-gebel

feiern mit den toten mehr
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der friedhof von tuna el-gebel

feiern mit den toten

Seit 2004 leitet Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseum Hannover, Projekte in der Nekropole von Tuna el-Gebel in Mittelägypten. Mit seinen vielfältigen Grabbauten aus Lehmziegeln und lokalem Muschelkalkstein liefert der Friedhof am Rand der Wüste einen einmaligen Blick auf eine Bestattungskultur zwischen Orient und Okzident. Die ersten Gräber entstanden um 300 v. Chr., die meisten wurden aber erst in römischer Zeit (1.-3. Jahrhundert n. Chr.) errichtet. Damals erhielt die Anlage auch ihre Gliederung mit Haupt- und Nebenstraßen, so dass der Begriff Totenstadt hier sehr zutreffend ist.

Ausgangspunkt waren Grabungen im 20. Jahrhundert, die mehrstöckige Gebäude aus Lehmziegeln und Kalkstein zum Vorschein gebracht haben. Viele der Lehmziegelbauten, die auch Hausgräber genannt werden, waren bunt bemalt, aber die Wandmalereien sind heute oft in einem schlechten Zustand. Dank Restaurierungen, die das Auswärtige Amt fördert, konnten in den letzten Jahren die rund 2000 Jahre alten Gebäude in einen besseren Zustand gebracht werden. Seit 2018 finden hier mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft neue Grabungen statt, bei denen 12 Grabbauten entdeckt wurden. Die Untersuchungen liefern neue Erkenntnisse über deren Architektur, Ausstattung und Nutzung als Bestattungsplätze und geben wichtige Aufschlüsse über die Feiern, die regelmäßig an den Gräbern stattgefunden haben.

Forschungsprojekte

der fundplatz hüde I

archäologische ausgrabungen am dümmer mehr
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der fundplatz hüde I

archäologische ausgrabungen am dümmer

Nach 2 Mio. Jahren, in denen Menschen sich vom Jagen, Sammeln und Fischfang ernährten, ermöglichte es die bäuerliche Wirtschaftsform, Nahrung gezielt zu produzieren, mehr Menschen zu versorgen und Überschüsse zu speichern. In Mitteleuropa breitete sich das Neolithikum mit der Linienbandkeramischen Kultur (LBK) sehr schnell aus und brachte Ackerbau und Viehzucht um ca. 5.500 v. Chr. bis an den nördlichen Rand der Mittelgebirge. Die anschließende Neolithisierung der Nordeuropäischen Tiefebene erfolgte erst deutlich später um 4.200 v. Chr., dann aber mit hoher Dynamik. Die Gründe dafür werden in der Forschung kontrovers diskutiert, sind aber erst in jüngster Zeit durch neue Wissenschaftszweige wie die Paläogenetik überhaupt zu beantworten. Ein lange als unlösbar geltendes Problem ist damit wieder hochaktuell geworden: Wer hat Getreideanbau, Haustiere und Hausbau in der Tiefebene etabliert und damit die Grundlage für das ländliche Leben bis zur Industriellen Revolution gelegt?

Für diese Frage ist der Fundplatz Hüde I am Dümmer, dessen Funde im Landesmuseum Hannover verwahrt werden, zentral. Anhand neuer Perspektiven auf diese und verwandte Funde wird die jahrhundertlange Koexistenz von frühen Ackerbauern und »eingeborenen« Jäger-Sammler-Fischern diskutiert. Dabei wird auch gefragt, warum diese Parallelgesellschaften so plötzlich verschwanden und großräumig von einer hinsichtlich Keramik und Grabbräuchen sehr ähnlichen Ideologie abgelöst wurden – der Trichterbecherkultur.

Forschungsprojekte

paese

koloniale kontexte im verbund erforschen mehr
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paese

koloniale kontexte im verbund erforschen

Die Herkunft von ethnologischen Sammlungen aus kolonialen Kontexten steht seit einigen Jahren im Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Diese Diskussion wird vor allem durch Forderungen aus den Herkunftsgesellschaften befördert. Eine Notwendigkeit, die Herkunft von kolonialzeitlichen Sammlungen zu erforschen und offenzulegen, wurde in Niedersachsen schon früh erkannt. Am Landesmuseum Hannover wurde das PAESE-Verbundvorhaben entwickelt, das 2018 bis 2022 von der VolkswagenStiftung gefördert wurde.

Im Rahmen des Projekts wurden in acht Teilprojekten ausgewählte Bestände aus sechs niedersächsischen Sammlungen am Landesmuseum Hannover, Städtischen Museum Braunschweig, an der Ethnologischen Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen, am Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg sowie am Ev.-Luth. Missionswerk Hermannsburg untersucht. Dies erfolgte im engen Austausch mit Universitäten in Hannover, Göttingen und Oldenburg sowie in Kooperation mit Expert*innen aus Kamerun, Namibia, PNG, Tansania und Australien.

Ziele des Projekts waren neben der Grundlagenforschung zur Herkunft von kolonialzeitlichen Beständen in den größten ethnografischen Sammlungen in Niedersachsen, die Etablierung eines Dialogs über den künftigen Umgang mit den Objekten. Voraussetzung dafür ist eine möglichst große Transparenz. Hierfür wurde unter anderem eine Objektdatenbank aufgebaut, die 2020 online gegangen ist.

Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste wurde 2019 der Workshop Perspectives of Transnational Provenance Research in Ethnographic Collections in Germany durchgeführt. Die internationale Abschlusskonferenz Provenance Research on Collections from Colonial Contexts – Principles, Approaches, Challenges fand im Juni 2021 als hybride Veranstaltung mit über 300 Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt statt. Die Ergebnisse wurden 2023 in der Reihe des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen open access veröffentlicht.

Restaurierungs- und Forschungsprojekte

die goldene tafel aus lüneburg

technik, gestalt, kontext und bedeutung eines retabels um 1400 mehr
Restaurierungs- und Forschungsprojekte

die goldene tafel aus lüneburg

technik, gestalt, kontext und bedeutung eines retabels um 1400

Die Goldene Tafel, das ehemalige Hochaltarretabel der Benediktinerklosterkirche St. Michaelis zu Lüneburg, gehört zu den kostbarsten Werken des Landesmuseums. Von 2012 bis 2015 war die Goldene Tafel Gegenstand eines interdisziplinären Forschungsprojektes. In Kooperation mit der Gemäldegalerie Berlin, der Städelkooperationsprofessur der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim haben Restauratoren, Kunsthistoriker und Historiker das Objekt grundlegend untersucht. Im Anschluss wurden die vier großen Flügel des einst mehrfach wandelbaren Retabels bis 2018 in einer öffentlich einsehbaren Werkstatt in der Schausammlung restauriert. Dabei wurden konservatorische Probleme behoben, späterer Überzüge, Schmutzschichten und alte Retuschen entfernt und schließlich neue Retuschen aufgebracht. In Zusammenarbeit mit einem Team von Ingenieurinnen und Gestaltern wurde darüber hinaus ein schwingungsisolierter Sockel für das Werk konzipiert. Im Ergebnis präsentieren sich die Malerei, Skulptur und Kleinarchitektur nun mit ihrer originalen, erstaunlich gut erhaltenen Farbigkeit und in einer zuvor ungeahnten Qualität.

Die Beiträge des internationalen Kolloquiums sowie die ausführliche Dokumentation des Forschungsprojektes sind in der Reihe Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte erschienen:

Antje-Fee Köllermann / Christine Unsinn (Hg.): Die Goldene Tafel aus Lüneburg. Akten des wissenschaftlichen Kolloquiums, Ergebnisband des Forschungsprojekts, in: Niederdeutsche Beiträge zu Kunstgeschichte NF 5/6, 2020/2021

Eliza Reichel: Die Erforschung und Restaurierung der Lüneburger Goldenen Tafel: die Projekte zur Goldenen Tafel, in: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung 33, 2020, S. 205–216

Kerstin Binzer und Ewa Kruppa: Die Überzüge auf den Malereien der Goldenen Tafel und ihre Abnahme, in: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung 33, 2020, S. 217–225

Gabriele Schwartz: Zur Restaurierung der Skulpturen der Goldenen Tafel, in: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung 33, 2020, S. 241–252

Forschungsprojekte

kenom

das virtuelle münzkabinett mehr
Forschungsprojekte

kenom

das virtuelle münzkabinett

Bei KENOM geht es um die Entwicklung eines Länder- und Sammlungstypen übergreifenden »Virtuellen Münzkabinettes«. Münzen, Medaillen, Papiergeld und Fundmünzen aus Antike, Mittelalter und Neuzeit sollen dort erfasst und zugänglich gemacht werden. Ziel des Projektes ist es, die digitale Präsenz wissenschaftlich aufbereiteter Münzbestände deutlich zu erhöhen und dauerhaft durch die Bereitstellung entsprechender Werkzeuge die Erschließung zahlreicher weiterer Bestände zu ermöglichen. Durch die großräumige länderübergreifende Vernetzung von Sammlungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen sowie durch die Integration verschiedener Sammlungstypen soll ein breites Spektrum der Nachnutzbarkeit gewährleistet werden. Im Projekt soll eine Infrastruktur entwickelt und ein durchgängiger Arbeitsablauf definiert werden, der es auch kleinen Institutionen ohne ausgebildeten Numismatiker mit vertretbarem Aufwand ermöglicht, online Bestandinformationen über die neu zu entwickelnde Plattform anzubieten.

 

Restaurierungs- und Forschungsprojekte

brandbilder

kunstwerke als zeugen des zweiten weltkriegs mehr
Restaurierungs- und Forschungsprojekte

brandbilder

kunstwerke als zeugen des zweiten weltkriegs

Nach dem zweiten Weltkrieg gelangten rund 60 Gemälde, vorwiegend als Leihgabe der Landeshauptstadt Hannover, in die Magazine der Landesgalerie. Sie waren in der Stahlkammer des ehemaligen Städtischen Lohnamts in der Friedrichstraße 4 sichergestellt worden und dort im Oktober 1943 durch extreme Hitzeeinwirkung verschmort. Die Mehrzahl wurde nach 1945 als Kriegsverlust aus den Inventaren gestrichen und demzufolge wissenschaftlich nicht bearbeitet. Im Zuge eines von den Kunstfreunden Hannover geförderten Forschungsprojektes konnten die Provenienzen einiger Werke bis zu den ursprünglichen Eigentümern zurückverfolgt und von der Restaurierungsabteilung der Landesgalerie gesichert werden, für ausgewählte Stücke wurden umfassendere Restaurierungskonzepte umgesetzt.

Forschungsprojekte

kupferstichkabinett

bestandserfassung mehr
Forschungsprojekte

kupferstichkabinett

bestandserfassung

Das Kupferstichkabinett des Landesmuseums Hannover bewahrt europäische Handzeichnungen und Druckgrafik vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert. 1979 wurden die Werke aus Landes- sowie die grafischen Arbeiten aus städtischem Besitz, die zuvor vom August Kestner Museum betreut worden waren, in die Obhut unseres Hauses gegeben. Ein dritter Komplex kam wenig später mit den älteren Meistern aus der Sammlung des Hannoverschen Künstlervereins hinzu. Seither sind alle älteren grafischen Arbeiten aus öffentlichem Besitz im Landesmuseum Hannover vereint. 2012–2015 wurde im Rahmen eines Forschungs- und Inventarisierungsprojektes der Gesamtbestand des Kupferstichkabinettes nach wissenschaftlichen Maßgaben erfasst und erstmals auch alle Zeichnungen fotografisch dokumentiert. Die Ergebnisse sind in der hausinternen Datenbank des Museums abgelegt und werden sukzessive über das Portal Kulturerbe Niedersachsen veröffentlicht.

Forschungsprojekte

sammlung wallmoden

deutschlands älteste antikensammlung mehr
Forschungsprojekte

sammlung wallmoden

deutschlands älteste antikensammlung

Die Hannoveraner Kunstsammlung des Reichsgrafen und illegitimen Sohns König Georgs II., Johann Ludwig Wallmoden-Gimborn (1736-1811), zählte bis zu ihrer Auflösung in einer Auktion im Jahre 1818 zu den bedeutendsten in Norddeutschland. Im Rahmen der großen Niedersächsischen Landesausstellung vom 17. Mai bis zum 5. Oktober 2014 führte das Landesmuseum Hannover rund 200 Jahre nach ihrer Zerstreuung über ganz Europa und Nordamerika erstmals Teile der Wallmoden-Galerie wieder in Hannover zusammen. Sie gewährte einen faszinierenden Einblick in das feudale Sammlungswesen des späten Ancien Régime, an der Epochenschwelle zum Aufbau bürgerlicher Hannoveraner Sammlungen von Bernhard Hausmann oder August und Hermann Kestner, und betrifft somit einen Schlüsselmoment der niedersächsischen Kunst- und Kulturgeschichte. Zugleich weist die Wallmoden-Galerie nicht erst durch ihre auktionsbedingte Zerstreuung weit über Deutschland hinaus. Wallmoden, der sich militärisch an der – zunächst vergeblichen – Abwehr der Feldzüge von Napoleons Revolutionsarmee beteiligte, wurde bei seinen in den 1760er Jahren gefällten Kaufentscheidungen von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) beraten, der 1763 von Papst Clemens XIII. zum Oberaufseher für die Altertümer in Rom ernannt worden war.

 

Restaurierungs- und Forschungsprojekte

das göttinger barfüßerretabel von 1424

ein hauptwerk der mittelaltersammlung mehr
Restaurierungs- und Forschungsprojekte

das göttinger barfüßerretabel von 1424

ein hauptwerk der mittelaltersammlung

Das Göttinger Barfüßerretabel von 1424 wurde für den Hochaltar der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Kirche des Göttinger Franziskanerkonvents geschaffen. Heute ist der Altaraufsatz eines der Hauptwerke der Sammlung mittelalterlicher Kunst im Landesmuseum Hannover. Ein von 1999 bis 2005 durchgeführtes Restaurierungs- und Forschungsprojekt hat das Retabel in seiner ursprünglichen Gestalt und Wandelbarkeit wieder gewonnen und umfassend wissenschaftlich erschlossen. Die Ergebnisse des Forschungs- und Restaurierungsprojekts wurden im Rahmen eines internationalen Kolloquiums vorgestellt und in der Reihe Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte publiziert:

Cornelia Aman/Babette Hartwieg (Hg.): Das Göttinger Barfüßerretabel von 1424. Akten des wissenschaftlichen Kolloquiums, Ergebnisband des Restaurierungs- und Forschungsprojektes, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte NF 1, 2015

wissenschaftliche integrität

In allen Arbeitsbereichen des Forschens und Publizierens pflegt das Landesmuseum Hannover einen hohen Standard an wissenschaftlicher Transparenz und verpflichtet sich der Einhaltung des DFG Kodex »Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis«. Dazu schließt sich das Landesmuseum Hannover den jeweils gültigen Regeln der Leibniz Universität Hannover als engem Kooperationspartner an.

Hausintern benennt das Landesmuseum eine Ombudsperson als Ansprechpartner*in. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich bei Fragen an das überregional tätige »Ombudsgremium für die wissenschaftliche Integrität in Deutschand« zu wenden.